Tagungsbericht und Abschlusserklärung: Der Maji-Maji-Krieg 1905 - 1907 aus tansanischer Sicht
Veranstalter: Arbeitnehmer-Zentrum Königswinter in Kooperation mit der Deutsch-Tansanische Freundschaftsgesellschaft (DETAF e.V.)
Datum: 1. April bis 3. April 2005
Ort: Arbeitnehmer-Zentrum Königswinter
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Abschlusserklärung:
Am 20.7.1905 gedenken wir des Ausbruches eines Krieges gegen die deutschen Kolonialtruppen in Tansania vor 100 Jahren. Dabei kam ca. ein Drittel der damaligen Bevölkerung des Kriegsgebietes ums Leben. Die Begriffe Unterdrückung und Fremdherrschaft sind auch heute aktuell. Der 100-jährige Gedenktag ist Anlass für eine bundesweite Veranstaltungsreihe, um Überlegungen gegen eine leichtfertige „Entsorgung“ der kolonialen Geschichte anzustellen.
Wir, die Teilnehmer des Seminars „Der Maji-Maji-Krieg 1905 – 1907 aus tansanischer Sicht“, organisiert von der Deutsch-Tansanischen Freundschaftsgesellschaft vom 01.04.05 – 03.04.05 im Arbeitnehmer-Zentrum Königswinter suchten Blickwinkel und Erfahrungshorizonte aus der Sicht der Betroffenen. Wir stellen fest, dass der Maji-Maji-Krieg im Bewusstsein der deutschen Öffentlichkeit keine Rolle spielt bzw. noch immer einer kolonialen Verklärung unterworfen ist.
Wir, die Teilnehmer dieser Veranstaltung verpflichten uns, dem entgegenzuwirken, indem wir in unserem persönlichen Umfeld alles tun und sämtliche Aktivitäten unterstützen, die diesem Ziel dienen. Darüber hinaus werden wir forciert mit anderen Initiativgruppen die Öffentlichkeit über diverse Medien ansprechen.
Wir fordern eine deutliche Stellungnahme der Zivilgesellschaft, der politischen Parteien und Stiftungen, der Gewerkschaften, der Kirchen, der Medien und der deutschen Bundesregierung zum Maji-Maji-Krieg.
Die Teilnehmer des Seminars Königswinter, den 03.04.2005
(27 Unterschriften) |
Tagungsbericht DETAF-Seminar vom 01.04. - 03.04.2005 im AZK, Königswinter
Die hundertste Wiederkehr des Beginns und der blutigen Niederschlagung des so genannten „Maji Maji Aufstandes“ durch Kolonialtruppen des Kaiserreichs im damaligen Schutzgebiet Deutsch-Ostafrika ist ein Anlass zu gedenken. Der Kampf forderte das Leben von etwa einem Drittel der damaligen Bevölkerung in den betroffenen Gebieten. Die Erinnerung an diese Geschehnisse muss Anlass zur Trauer und zu einem Wort der Entschuldigung seitens der Bundesregierung an die überlebenden Nachfahren der Opfer der von 1905 bis 1907 dauernden Kämpfe sein. Das haben die Teilnehmer des von der Deutsch-Tansanischen Freundschaftsgesellschaft (DETAF) aus Anlass ihrer Jahrestagung vom 1. bis 3. April 2005 in Königswinter organisierten Seminars gefordert.
Materielle Wiedergutmachungsforderungen an die Berliner Bundesregierung werden ausdrücklich nicht gestellt, anders als zum Beispiel von Herero-Vertretern in Zusammenhang mit den Gedenkveranstaltungen im Vorjahr zum Herero-Krieg. Die Deutsch-Tansanische Freundschafts-Gesellschaft hält aber ein Wort des ehrlichen Bedauerns und der Entschuldigung für die vor 100 Jahren von der „Schutztruppe“ begangenen Untaten für geboten, welche in Deutschland z.T. noch immer heroisch verklärt werden.
Gegen das Vergessen
Die DETAF kritisiert das mangelnde Bewusstsein in der deutschen Bevölkerung für diese dunkle Seite ihrer Geschichte. In den Medien und Geschichtsbüchern herrsche großer Nachholbedarf. Die Freundschaft zwischen den Nachfahren der damaligen Opfer und den Urenkeln der damaligen Täter könne nur positiv weiterentwickelt werden, wenn die gemeinsame Geschichte aufgearbeitet und bewusst gemacht werde. „Keine dauerhafte Versöhnung ohne Erinnerung“, betont die DETAF. Dieser Appell richtet sich nicht nur an die Bundesregierung, sondern an die gesamte deutsche Öffentlichkeit und die gesellschaftlichen Großgruppen in der Bundesrepublik – wie politische Parteien, Gewerkschaften und nicht zuletzt auch an die Kirchen, die sich damals leider auch nicht vom kolonialen Unterdrückungsapparat abgesetzt hatten.
Die hochqualifizierten Referenten – darunter der tansanische Erziehungswissenschaftler Dr. Isack Majura und der deutsche Ethnologe und Buchautor Dr. Jigal Beez, sowie der Kölner Anthropologe und Religionssoziologe Dr. Wilhelm Otte – referierten auf dem DETAF Seminar über den Maji-Maji Krieg, seiner Vorgeschichte, den Hintergründen und dem Verlauf sowie seinen Nachwirkungen und Folgen. Als Ergänzung zu dem sehr dichten Programm wurde einen Rezitationsabend des Schauspielers und langjährigen Mitarbeiters der Deutschen Welle Ahmed Saleh eingeplant. Herr Saleh trug sehr überzeugend Versepen vor aus dem „Maji-Maji-Krieg“ von Abdul Karim bin Jamaldini und „Kinjekitile“ von Ibrahim Hussein vor. Nicht vergessen werden sollte schließlich die kleine Buchaustellung im Hörsaal, die einige wichtige Neuerscheinungen zum Thema vorstellte.
Eva Klaue-Machangu und Helmut S. Ruppert