Pressemitteilung
Gedenkveranstaltung zum 100. Jahrestags des Maji-Maji-Krieges mit dem Theaterstück „Zauberwasser gegen Gewehrkugeln“ der Bagamoyo Players (Tanzania)
16. November 2005
Am vergangenen Sonntag, am Volkstrauertag, fand die bundesweite Gedenkveranstaltung zum 100. Jahrestag des Maji-Maji-Krieges in Berlin statt. Das Tanzania-Network.de e.V. hatte zu dieser Veranstaltung in die Werkstatt der Kulturen eingeladen.
Der Maji-Maji-Krieg bekann 1905 im damaligen Deutsch-Ostafrika, im heutigen Tanzania, und kostete bis zu seinem Ende 1907 bis zu 300.00 Menschen das Leben. Der Maji-Maji-Krieg muss im Kontext der deutschen Kolonialpolitik gesehen werden, die mit der Ausbeutung, Unterdrückung und Entwürdigung der Bevölkerung einher ging. Der Krieg erstreckte sich über fast den gesamten Süden des heutigen Tanzania - ein Gebiet so groß wie Deutschland - und ungefähr zwanzig Volksgruppen.
Der Gedenkveranstaltung voraus ging ein ritueller Gedenkmarsch von der Bartholomäuskirche (Friedenstraße Berlin Friedrichshain) - dort hatte ein ökumenischer deutsch-tanzanischer Gottesdienst stattgefunden - zur Werkstatt der Kulturen (Wissmannstraße Berlin Neukölln). Dieser Marsch wurde von der Vereinigung der Tanzanier in Berlin (Umoja wa Watanzania) und der Werkstatt der Kulturen organisiert.
Der Einladung des Tanzania-Network.de e.V. zur Gedenkveranstaltung am Nachmittag waren ca. 200 Personen gefolgt, unter ihnen der Vertreter der tanzanischen Botschaft, Mr. Francis Malambugi.
Kornelia Freier, zweite Vorsitzende des Tanzania-Network.de e.V., hinterfragte vor dem Hintergrund der deutschen Kolonialherrschaft vor allem die aktuellen deutsch-tanzanischen Beziehungen. Sie benannte dabei auch „verdeckten Rassismus“ in Form von Bevormundung und die Haltung, dass die Deutschen noch immer oft meinten besser zu wissen, was „gut ist“ für die Tanzanier. Zu einem wirklich gleichberechtigten Umgang von Tanzanierinnen und Tanzaniern und Deutschen sei es noch ein weiter Weg.
Auch Mr. Kisalya von der Vereinigung der Tanzanier in Berlin und Brandenburg ging auf das Verhältnis von Tanzaniern und Deutschen ein, wobei dies häufig nur von Betroffenheit der Deutschen gegenüber der Tanzanier bestimmt sei. Im Gegensatz dazu sei die gemeinsame Geschichte ein Anliegen sowohl Deutscher als auch Tanzanier.
Er richtete deutliche Anfragen nach einer offiziellen Stellungnahme zu diesem Kolonialkrieg sowohl an die tanzanische als auch an die deutsche Regierung. Es gäbe keinen Grund, über diesen Krieg zu schweigen, im Gegenteil, gute Beziehungen können nur auf Offenheit und Respekt gedeihen. Stellungnahmen der Regierungen seien demnach unumgänglich.
Die von Bundesministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul an die Gedenkveranstaltung gerichteten und von BMZ-Mitarbeiter Hady Riad überbrachten Grußworte sprechen deutlich davon, dass „der aufrichtige Umgang mit der eigenen, schwerwiegenden Vergangenheit eine Grundvoraussetzung für die Versöhnung mit den Menschen in den Ländern der ehemaligen deutschen Kolonien in Afrika“ ist. Sie spricht bezogen auf den Maji-Maji-Krieg von „schweren Menschenrechtsverletzungen und Morden an der Bevölkerung“ und bezeichnet den Krieg als einen „der größten antikolonialen Befreiungskämpfe in der Geschichte Afrikas.“ Auch fordert sie die Aufarbeitung der deutschen Kolonialgeschichte und die Verankerung dieser Geschichte in unserem gemeinsamen Bewusstsein. Dies erfordere auch die Umbenennung von Straßen und Plätzen.
In einem Schreiben des Auswärtigen Amtes anlässlich der Gedenkveranstaltung wurde vor allem auf die „außerordentlich fest und freundschaftlich“ gestalteten Beziehungen zwischen Tanzania und Deutschland hingewiesen. In diesem Kontext steht die Haltung des Auswärtigen Amtes „in Übereinstimmung mit der tanzanischen Führung den 100. Jahrestag des Maji-Maji-Aufstandes nicht durch regierungsseitige Veranstaltungen hervorzuheben.“
Hans-Christian Ströbele, Mitglied des Bundestages Bündnis90/Die Grünen, dachte vor allem über Perspektiven für die weitere Aufarbeitung deutscher Kolonialgeschichte nach. Er forderte, dass politische und moralische Verantwortung übernommen wird für die durch die Deutschen im Namen des deutschen Reiches und des deutschen Kaisers begangenen Verbrechen. Weiterhin sollten Erinnerungsstätten geschaffen werden zum Beispiel in Form von dauerhaften Tafel, Denkmälern, Straßenbenennungen. Eine Stiftung könnte eingerichtet werden, die die Aufarbeitung der deutschen Kolonialvergangenheit fördert und ermöglicht. Schließlich wies er auf die Möglichkeit einer Parlamentsinitiative bezogen auf den Maji-Maji-Krieg hin, die in eine Erklärung des Bundestages münden sollte.
Im Anschluss an die Redebeiträge folgte das von den Bagamoyo Players, dem tanzanischen Nationalensemble, beeindruckend inszenierte und aufgeführte Theaterstück „Zauberwasser gegen Gewehrkugeln“. Das von Ebrahim Hussein geschriebene Stück thematisiert die deutsche Kolonialherrschaft und die Rolle Kinjikitiles, des Propheten, der das Zauberwasser (Maji) fand, das gegen die deutschen Gewehrkugeln im Krieg schützen sollte.
Die Gedenkveranstaltung wurde in Kooperation mit dem Berliner Entwicklungspolitischen Ratschlag BER veranstaltet und von mehr als fünfzig bundesweit arbeitenden Organisationen und Initiativen unterstützt.
Luise Steinwachs
Tanzania-Network.de e.V.
www.majimaji.de
030 - 4172 3582